FLOSSING

THERAPIE + REGENERATION
Erhalte Beiträge sobald sie veröffentlicht werden
Flossing

Flossing - Was ist Flossing? Wo wird es eingesetzt?

Flossing - Was ist Flossing? Wo wird es eingesetzt?
Die Schnürbandagen an sportlichen, muskulösen Gladiatoren im alten Rom kennt man ja. 

Dass diese Bandagen auch einen anderen Zweck erfüllt haben, als optisch aufzufallen, ist vielen aber nicht bekannt.


Die Bänder dienten als Kompressionsbänder und sollten Muskeln und Sehnen stärken. Heute, etwas weiter entwickelt und verbessert, wird eine ähnliche Form der Kompression immer noch eingesetzt – und zwar im Therapie- und Trainingsbereich. 


Das Mittel ist dabei recht einfach, der Effekt jedoch sehr groß. Mittlerweile ist dieser Geheimtipp in Training und Therapie unter dem Namen Flossing, oder Voodoo Flossing bekannt. Im folgenden Beitrag geht es rund um das Thema Flossing.

Was ist Flossing?

Beim Flossing wird ein spezielles Flossing Band, auch Floss Band oder Voodoo Floss genannt, lokal mit deutlichem Zug fest um ein von Beschwerden betroffenes Gelenk oder einen betroffenen Bereich an einer Extremität gewickelt. Bei diesem Band handelt es sich um ein speziell angefertigtes elastisches Gummiband, das in verschiedenen Stärken, Längen und Breiten erhältlich ist. 


Kombiniert wird Voodoo Flossing dabei mit gängigen Therapie- und Trainingstechniken, wie beispielsweise Griffen aus der manuellen Therapie und Dehn-, Mobility und Kräftigungsübungen. 

Flossing am Arm und Ellenbogen


Die betreffenden Gelenke, wie in etwa Schulter, Knie oder Fuß, werden fest mit dem Band komprimiert und im Anschluss kontrolliert bewegt. Hierbei werden sowohl passive als auch aktive Bewegungsformen durchgeführt. Obwohl die Methode des Flossings ihre Wurzeln bereits im römischen Reich hatte, gilt es in der Medizin und im Leistungs - Sport noch als relativ junge Therapie-Methode.

Mit Floss-Bändern behandelt werden unter anderem:


  • Beschwerden im Bereich der Muskeln, wie beispielsweise Triggerpunkte und Verspannungen

  • Beschwerden der Sehnen, wie beispielsweise Golfer- und Tennisellbogen

  • Verklebung der Faszien

  • Gelenkbeschwerden, wie beispielsweise Arthrose

  • Schwellungen


Unter dem Namen Voodoo Flossing, benannt nach dem Erfinder Dr. Kelly Starett, ist die Methode vor allem in der amerikanischen CrossFit Szene bekannt. 


In Deutschland ist die Methode weniger bekannt - gewinnt aber immer mehr Fürsprecher in Medizin-, Sport- und Fitness - Sektor. Zu den bekannteren Anwender gehört unter anderem Ralf Blume, leitender Physiotherapeut des Fussballvereins Hannover 96 und Begründer des Medical Flossings. 


Während in Amerika vor allem Therapeuten und Trainer Flossing im Leistungssport anwenden, ist das Anwendungsgebiet in Deutschland mehr im Bereich der Medizin und Physiotherapie zu finden. 

Eingesetzt werden kann Flossing ergänzend zur üblichen Physiotherapie, zur manuellen Therapie oder zur Osteopathie. Benötigt wird lediglich ein spezielles, dehnbares Flossing Band.

Geschichte und Entstehung

Wie bereits erwähnt, stammt Voodoo Flossing von dem amerikanischen Fitness - Trainer und Physiotherapeuten Dr. Kelly Starett, der auch den Begriff selbst prägte. Ein weiteres Synonym des Flossing ist Ninja Flossing, dessen Herkunft jedoch nicht unbekannt ist. Zurückzuführen ist die Bezeichnung "Voodoo" der Methode eventuell darauf, dass es aufgrund der teilweise erstaunlichen Therapie-Ergebnisse an eine Art Wunderheilung oder Zauberei erinnert. 


Durch seinen New York Times Beststeller „Becoming a supple Leopard“ wurde die Bezeichnung und vor allem die Methode auch in Europa bekannt. Bevor Dr. Kelly Starrett auf die Idee kam durch gezielte Kompression Beschwerden im Gewebe zu behandeln, gab es bereits in den Jahrzehnten davor ähnliche Ansätze in einigen Trainingsmethoden. Diese sind unter den Begriffen Kaatsu, Blood Flow Restriction Training oder Okklusionstraining bekannt. In diesem Zusammenhang werden die Wirkung und Möglichkeiten spezieller Kompressionsbandagen auf das Training bereits seit den 1970er Jahren intensiv untersucht und erforscht.

Die Wirkungs-Idee

Die Wirkung der Behandlung ist abhängig von Indikation, Ort der Anlage und dem Druck. Das betreffende Gelenk soll nach dem Abbinden mit dem Floss Band sowohl passiv oder aktiv mobilisiert werden. Durch das Band entstehen bestimmte Kräfte und ein intensiver mechanischer Reiz auf die Haut und die darin befindlichen Mechanorezeptoren. 


Dadurch soll das Schmerzempfinden auf die Rückenmarksebene gehemmt werden. Das funktioniert, weil die Reibung die mechanische Sinneszellen unter der Haut stimuliert - sogenannte Mechanorezeptoren. Diese wirken bei Aktivierung hemmend auf die Weiterleitung von Schmerzsignalen auf Ebene des Rückenmarks. Bei dieser Wirkungsmöglichkeit geht es um einen Effekt der Schmerzlinderung, der auch als Gate - Control - Phänomen bekannt ist.


Eine weitere Wirkung stellt der Schwammeffekt dar. Dabei wird durch den hohen Druck des Bandes das Gewebe zusammenpresst und Flüssigkeit aus den Geweben rausgepresst - ähnlich wie bei einem Schwamm. Außerdem unterstützt das Flossingband den Abfluss der Lymph-Flüssigkeit. Somit werden auch unerwünschte Abfallstoffe durch die Lymphbahnen abgeführt und es kommt zu einer Art Reinigungsprozess. Wird das Band abgenommen, kommt es zu einer regelrechten Durchflutung des Gewebes oder des Gelenkes mit Blut - die Nährstoff-, Hormon- und Sauerstoffversorgung werden angekurbelt.


Eine dritte Wirkungsweise ist die Lösung von blockierenden Vernarbungen und Verklebungen. Durch den äußeren Druck, kombiniert mit Bewegung im Gelenk, schieben sich die einzelnen Bindegewebsschichten gegeneinander. Auch Faszien, das Unterhautfettgewebe, Muskeln, Knochen und Gelenke verschieben sich mit- und gegeneinander. Mögliche Vernarbungen und Verklebungen im Bindegewebe - sogenannte Crosslinks - werden gelöst und die Beweglichkeit wesentlich einfacher und spürbar besser. Erste Erfolge bemerkt man oft bereits nach zwei bis drei Durchgängen zu je zwei Minuten.


Durch die starke Kompression kann es auch zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen: 

Quaddeln, Hämatome oder schmerzhafte Reibungen können mit der Behandlung einhergehen.


Die Wirksamkeit und Wirkungsmöglichkeiten der Behandlungen sind bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen. Alles, was an Wirkungen bekannt ist, beruht bisher nur auf Erfahrungsberichten.


Flossing des Fingers

Für wen ist die Behandlung geeignet und bei welchen Indikationen kann sie angewendet werden?

Die Flossingbehandlung kann bei fast allen Beschwerden am Bewegungsapparat eingesetzt werden. Egal ob bei Leistungssportlern, Netzathleten oder Patienten - Flossing ist ein gutes Werkzeug, um sowohl orthopädische als auch chirurgische Beschwerden zu behandeln. Die bisherigen Erfahrungen mit der Methode sind positiv und vielversprechend. 


Am häufigsten wird Flossing zur Behandlung von Beschwerden an der Schulter, des Kniegelenks und Fuß und Knöchel angewandt. Gerade im Fußball erfreut sich Flossing hier größter Beliebtheit, wie auch der Medical Flossing Gründer Ralf Blume weiß. Allerdings ist Flossing nicht auf die Behandlung von Gelenken beschränkt. Alle Muskel- und Gewebsbeschwerden, egal ob Verstauchungen, Prellungen oder Zerrungen können unterstützend mit Flossing behandelt werden. 


Neben akutem Beschwerden können auch chronische Störungen der Muskeln, Faszien und Gelenke positiv mit Flossing beeinflusst werden und die Heilung bzw. Wiederherstellung der Gewebs - Gesundheit sogar beschleunigt werden. Auch chronische Sehnenbeschwerden, rheumatische Krankheiten, Arthritis, Arthrose oder verklebte Narben und Schwellungen nach Verletzungen können unterstützend mit Flossing behandelt werden. 


Die Anwendung der Floss Bänder

Die Anwendung des Flossing-Bandes sollte zwei bis fünf Minuten dauern, diese Zeit aber nicht überschreiten. Nach dem Abbinden folgt eine Pause von mindestens der selben Dauer. Je nach Patient und Indikation können auch längere Pausen notwendig sein.


Das Anlegen der Bänder erfolgt zirkulär um den betreffenden Bereich. Dabei sollte sich das Band beim Umwickeln immer ungefähr zur Hälfte überlappen. Dadurch wird eine flächige Anlage ermöglicht und es kommt nicht zu Einklemmungen einzelner Hautfalten zwischen den Bahnen des Bandes. 


Das Band wird in der Regel mit einer Dehnung von 50 bis 70 Prozent angelegt. Der stärkste Zug sollte dabei auf dem betreffenden Bereich liegen. Wichtig ist, aufgrund der Lymphflussrichtung, dass das Band von unten nach oben, von der Peripherie zur Körpermitte hin gewickelt wird. Fixiert werden kann das Band, in dem man eine Hand unter das Band im letzten Zügel legt und das Ende unter dem Band durchzieht.


Während der Bandagierung können passive, assistive oder aktive Bewegungen zur Mobilisation genutzt werden. Es können auch manuelle Grifftechniken durchgeführt werden. Die Bewegungen richten sich immer nach dem Grad der Verletzung, dem Ort der Verletzung sowie der Indikation.


Es empfiehlt sich, Bewegungen durchzuführen, die ohne das Flossing-Band, die charakteristischen Beschwerden ausgelöst haben. Ein gutes Beispiel hierfür sind Beschwerden im Kniegelenk, die sich besonders beim Treppensteigen bemerkbar machen. 

In diesem Fall legt man das Band großflächig um den Bereich des Knies an und nutzt beispielsweise Treppen steigen - aber auch das Steigen mehrerer Stufen gleichzeitig - als Mobilisationsübung. 

Zusätzlich könnten sich in diesem Fall auch Ausfallschritte und Kniebeugen eignen, da sie ähnliche Bewegungsmuster darstellen. Sollten sich während der Bandagierung Taubheitsgefühle, brennende Schmerzen oder ungewollte vegetative Symptome (vermehrte Schweissbildung, Schwindel, Übelkeit) bemerkbar machen, sollte die Therapie sofort beendet und das Band abgenommen werden.

Viele Physiotherapeuten setzen auch nach der Abnahme der Bänder Mobilitätsbewegungen und Dehnübungen zur weiteren Behandlung ein.

Sinnvoll und effektiv sind übrigens Anwendungen von zwei bis drei Anlagen pro Sitzung.

Flossing in der Physiotherapie

Flossing in Kombination mit Physiotherapie kann zu einer erheblichen Linderung von Beschwerden und zu einer Steigerung der Leistung führen. Nicht umsonst ist die Methode heute sehr beliebt als Therapie- und Trainingsform. 


Die Beweglichkeit von Gelenken wird durch die Therapie verbessert, die Muskulatur gestärkt und die Elastizität der Faszien wiederhergestellt. So verwundert es nicht, dass die Methode vor allem in der Physiotherapie starken Anklang findet. Ist es doch das Ziel der Physiotherapie die Gesundheit der Patienten schnellstmöglich wieder herzustellen. 

Das Ziel der Physiotherapie ist es unter anderem, dass die natürliche Beweglichkeit ohne Limitierungen wiederhergestellt wird. Für das Erlernen der Behandlung gibt es spezielle Flossing Fortbildung. Bei diesen Fortbildungen lernen die Physiotherapeuten, aber auch andere medizinische Berufsgruppen und interessierte Laien alle wichtigen Regeln und Möglichkeiten der Behandlung kennen und wie man sie am besten und sichersten anwendet.

Kann man auch alleine Flossen?

Prinzipiell kann man auch alleine Flossen, so lange man die betroffene Stelle uneingeschränkt eigenständig erreicht. 

Trotzdem empfiehlt es sich die Begleitung durch geschulte Fachleute und Physiotherapeuten. Das alleinige Flossen sollte nur nach bestimmten Regeln erfolgen: Das Flossing Band sollte nie länger als maximal fünf Minuten angelegt bleiben. Der Idealfall ist bei zwei bis fünf Minuten pro Einheit. Es sollte nie zwei Extremitäten, wie zum Beispiel die Beine, gleichzeitig geflosst werden. Sobald man Schmerzen, Taubheitsgefühle oder andere Missempfindungen wahrnimmt, muss das Band sofort abgenommen werden.  Empfehlenswert ist es, sich die ersten Flossing-Anwendung von geschultem Personal zeigen zu lassen, um zu verstehen wie das Flossen funktioniert, wie man die Bänder am besten anlegt und wie sich eine Behandlung anfühlen sollte.

Was muss man noch beachten?

Die Bänder sollten immer zum Herzen hin gewickelt werden. Das entspricht auch der Fließrichtung des Blutes in den Venen und der Lymphabflussrichtung.

In der Regel wird eine Dehnung von 50 Prozent kaum überschritten. Eine zu hohe Abschnürung von Gelenken und Muskeln kann zu starken Missempfindungen und im schlimmsten Fall zu längerfristigen Schäden führen.


Wann sollte eine Flossingbehandlung nicht durchgeführt werden?

Zu den Kontraindikationen der Behandlung gehören vor allem Hautverletzungen, Hauterkrankungen im betreffenden Bereich und Wunden. Aber auch mögliche allergische Reaktionen oder Hautreizungen, wie Ekzeme, Neurodermitis oder Pergamenthaut sind Gründe, die Behandlung nicht durchzuführen. Ebenfalls nicht ratsam ist die Methode, wenn regelmäßig blutverdünnende Medikamente eingenommen.
Auch Erkrankungen der Blutgefäße, wie arterielle Verschlusskrankheiten, Thrombosen, Krampfadern, Venenentzündungen und unkontrollierter Bluthochdruck sind absolute Kontraindikationen für das Flossing.
Eingehalten und beachtet werden sollten aber auch immer die jeweilige Kontraindikation der Verletzung, denn oftmals dürfen bestimmte Stellen nicht bewegt oder nur in gewisse Bewegungsrichtungen bewegt werden.

Fazit

Eigentlich kann man von den Flossing-Bändern nicht direkt von Bandagen sprechen, da sie weder stützen noch schützen. Sie sind viel eher elastisch und sollen betroffene Gewebestellen gezielt komprimieren und den Blutfluss reduzieren. Dadurch kommt es zu der beschriebenen Wirkung auf Muskeln, Gelenke und Faszien. Die Beweglichkeit kann mit der Methode erhöht, Beschwerden gelindert, die Regeneration beschleunigt und dadurch die Rehabilitation verkürzt werden. 

Hält man sich an alle Regeln und beachtet man die Kontraindikationen, kann man die Behandlung getrost einmal ausprobieren und sich selbst von der Wirksamkeit überzeugen. 

Obwohl es keine wissenschaftlichen Belege für die Wirkung der Bänder gibt, gibt es umso mehr Flossing Erfahrungen, die positiven Effekten berichten. Schaden kann die Flossingbehandlung in jedem Fall nicht, schon gar nicht, wenn man sie von einem Fachmann durchführen lässt. Für alle Interessierte, egal ob Physiotherapeuten, Osteopathen, Heilpraktiker, Ärzte oder medizinische Laien, werden Seminare zum Thema Flossing angeboten. Die Seminare umfassen alles Wissenswerte von den Anfängen bis zur richtigen Anwendung der Bänder. 

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

© 2019
NETZTHERAPEUTEN